Moscow Mule.
Drei Zutaten, kein Shaker, ein Kupferbecher. Zwei Dinge entscheiden, ob der Drink gut wird: ob das Ginger Beer wirklich Ingwer enthält und ob die Limette aus der Presse kommt.
| Zutat | Menge |
|---|---|
| Davos Vodka | 5 cl |
| Limettensaft, frisch | 2 cl |
| Ginger Beer | 10 cl |
Den Becher mit Eis füllen, bis es über den Rand steht. Vodka und Limettensaft darüber, dann das Ginger Beer am Barlöffel entlang einlaufen lassen. Einmal von unten nach oben heben, nicht rühren. Limettenscheibe an den Rand.
Gebaut wird im Glas, nicht im Shaker. Ginger Beer verliert beim Schütteln seine Kohlensäure, und die trägt hier den Ingwer. Wer vorbereiten will, mischt Vodka und Limette vor und füllt erst beim Servieren auf.
- AngabeWert
- GlasKupferbecher oder Highball
- Eisim Glas, bis über den Rand
- GarniturLimettenscheibe, Minze
- Zubereitunggebaut
- Im Glas17 cl · 11.8 Vol.-%
- Dauer1 Minute
Rechnung: 5 cl zu 40 Vol.-% ergeben 2 cl reinen Alkohol. In 17 cl Flüssigkeit sind das 11.8 Vol.-%. Der Wert sinkt, solange der Drink steht, weil das Eis im Glas weiterschmilzt.
Der eine Punkt, an dem fast alle sparen.
Ginger Ale ist eine aromatisierte Limonade. Ginger Beer wird mit Ingwerwurzel gebraut, teilweise fermentiert, und bringt Schärfe mit statt nur Süsse. Zwischen den beiden liegt der ganze Drink.
Der Test im Laden steht auf der Zutatenliste. Taucht Ingwer dort als Extrakt oder Aroma auf, bleibt der Drink süss und flach. Steht Ingwer als Zutat mit Mengenangabe, schmeckt man ihn im Rachen, nicht nur auf der Zunge.
Wie viel Ingwer eine Flasche tatsächlich enthält, deklarieren die meisten Hersteller nicht. Die Angabe fehlt, deshalb hilft nur der Vergleich im Glas: gleicher Vodka, gleiche Limette, zwei Ginger Beer nebeneinander.
Wir giessen bei Anlässen in der Brennerei mit Ginger Beer auf, nicht mit Ale. Der Unterschied fällt den Gästen auf, bevor jemand erklärt, woran es liegt.
Kein Marketing, sondern Wärmeleitung.
Kupfer leitet Wärme rund vierhundertmal besser als Glas, etwa 400 Watt pro Meter und Kelvin gegen etwa 1. Der Becher nimmt die Temperatur des Drinks praktisch sofort an. Aussen fühlt er sich darum so kalt an wie der Inhalt, und die Hand meldet Kälte, bevor der erste Schluck sie bestätigt.
Dasselbe gilt in der anderen Richtung. Ein Kupferbecher in der warmen Hand gibt die Wärme ebenso schnell nach innen weiter. Wer ihn am Stiel oder am Rand hält, hat länger einen kalten Drink.
Im Glas funktioniert der Mule genauso. Es fehlt die Kälte an der Hand und das Bild, das den Drink berühmt gemacht hat.
Die Davoser Linie, drei Wege in den Becher.
Dieselbe Quelle im Sertigtal, drei verschiedene Drinks. Der Vodka ist die Fassung oben, der Gin und der Alpenkräuterlikör sind die beiden Abzweigungen, die wir selber am häufigsten trinken.
Davos Vodka
Getreidevodka, verschnitten mit Wasser aus dem Sertigtal bei Davos. Neutral im Geschmack, und genau das braucht der Mule: Der Ingwer soll die Schärfe stellen, die Limette die Säure, der Vodka den Alkohol und nichts weiter.
CHF 39 — zur Flasche
Davos Gin
Gebrannt aus den Kirschen, die vom Rötali-Likör in Davos übrig bleiben, dazu Wacholder und Bergkräuter. Im Becher ergibt das einen Mule mit Frucht unter dem Ingwer. Wer Gin statt Vodka nimmt, landet beim Munich Mule.
CHF 54 — zur Flasche
Davos Alpenkräuterlikör
2 cl davon in den fertigen Mule, der Vodka auf 4 cl zurück. Die Kräuterbitterkeit stellt sich neben den Ingwer und nimmt der Limette die Spitze. Der Drink wird dunkler und deutlich länger.
CHF 29 — zur FlascheLos Angeles, 1941.
John G. Martin hatte für Heublein kurz zuvor Smirnoff gekauft und wurde den Vodka nicht los. Jack Morgan führte an der Sunset Strip den Cock ’n’ Bull und produzierte Ginger Beer, das ebenfalls stehen blieb. Aus zwei Lagerproblemen wurde ein Drink.
Martin fotografierte anschliessend Barkeeper mit der Flasche und dem Kupferbecher, zwei Aufnahmen pro Bar, eine blieb dort und eine ging zur nächsten. Das war 1941 eine moderne Kampagne und der Grund, warum der Becher heute zum Drink gehört.
Woher die Becher ursprünglich kamen, erzählen verschiedene Quellen verschieden, meist mit einer Frau namens Sophie Berezinski und einem unverkäuflichen Posten Kupferware. Belegt ist das nicht. Belegt ist, dass der Becher Teil der Werbung war, bevor er Teil des Rezepts wurde.
Vier Dinge, die den Unterschied machen.
Eis über den Rand
Ein halb gefüllter Becher schmilzt schneller als ein voller. Mehr Eis heisst weniger Schmelzwasser, nicht mehr. Das gilt für jeden gebauten Drink und wird am häufigsten falsch gemacht.
Zwei Zentiliter Limette, gepresst
Ein ausgedrückter Schnitz gibt rund einen Zentiliter und jedes Mal eine andere Menge. Die Säure trägt den Drink gegen die Süsse des Ginger Beer. Wer sie misst, trinkt zweimal denselben Mule.
Am Barlöffel aufgiessen
Das Ginger Beer läuft am Löffel entlang ins Glas, statt frei hineinzufallen. So bleibt die Kohlensäure drin. Freier Fall treibt sie in zwei Sekunden aus.
Minze anschlagen, nicht stossen
Den Zweig einmal in die Handfläche klatschen und aufs Eis legen. Gestossene Minze wird bitter und schwimmt in Fetzen im Becher.
Drei Abzweigungen.
Munich Mule
Gin statt Vodka. Mit dem Gentleman's Gin steht der Wacholder neben dem Ingwer, mit dem Gin de Bâle kommt Fichtennadel dazu. Beides hält gegen das Ginger Beer, anders als die meisten Zitrusgins.
Gin-Gin Mule
Audrey Saunders’ Fassung aus New York: Gin, Limette, Zuckersirup und Minze geschüttelt, dann mit Ginger Beer aufgefüllt. Ein Mule mit der Struktur eines Mojito und deutlich mehr Arbeit.
Lumberjack's Mule
Unser Lumberjack's ist ein Old Tom mit Ahornsirup. Mit Ingwer ergibt das die wärmste Fassung des Drinks, passend für Oktober bis Februar. Limette auf 1.5 cl zurück, sonst kippt es.
Ohne Alkohol
Ginger Beer, 2 cl Limette, ein Spritzer Zuckersirup, viel Eis. Funktioniert, weil Schärfe und Säure den Drink tragen und nicht der Alkohol. Steht bei unseren Anlässen immer daneben.
Wer Ingwer mag, riecht ihn zuerst einzeln.
Im Workshop blendest du aus über zwanzig Einzeldestillaten deinen eigenen Gin. Ingwer ist eines davon, und man unterschätzt, wie weit vorn er in einer Mischung steht.
- Drei Stunden, jeden Donnerstag ab 17:30
- CHF 180 pro Person
- 0,5 l eigener Gin, das Rezept gehört dir
- Brennerei Aktienmühle, Gärtnerstrasse 46, Basel
Mehr zum Espresso Martini, zum Gin Tonic, zum Negroni oder zu allen Serves.