Serves / Gimlet

Gimlet.

Gin und Limette, mehr nicht. Weil nichts dazwischen liegt, entscheidet zweierlei: welcher Gin in der Flasche ist und ob die Limette aus einer Cordialflasche kommt oder aus der Presse. Wir nehmen die Presse.

ZutatMenge
Gin6 cl
Limettensaft, frisch4 cl
Zuckersirup 1:11 cl

Alles in den Shaker, Eis dazu, zwölf Sekunden hart schütteln, bis der Shaker aussen weiss anläuft. Doppelt abseihen in die vorgekühlte Coupette, durch Barsieb und Feinsieb.

Sechs zu vier zu eins ist unsere Fassung. Wer es trockener will, geht auf 0.5 cl Sirup, statt die Limette zu kürzen — die Säure trägt den Drink, der Zucker rundet sie nur ab.

  • AngabeWert
  • GlasCoupette, vorgekühlt
  • Eisim Shaker, nicht im Glas
  • Garniturkeine
  • Zubereitunggeschüttelt
  • Im Glas13.8 cl · 17.8 % vol
  • Dauer4 Minuten
Cocktail in der Coupette, doppelt abgeseiht und ohne Garnitur
Coupette, vorgekühlt, doppelt abgeseiht, ohne Garnitur
01 / Herkunft

Ein Drink aus der Bordapotheke.

Der Merchant Shipping Act verpflichtete britische Handelsschiffe ab 1867, Zitrussaft an Bord mitzuführen. Im selben Jahr liess Lauchlan Rose ein Verfahren schützen, mit dem sich Limettensaft ohne Alkohol haltbar machen liess — gesüsst statt aufgespritet. Das war Rose’s Lime Juice Cordial, und es stand fortan in Schiffsbeständen.

Die bekannte Erzählung schreibt den Drink einem Schiffsarzt namens Gimlette zu, der seinen Männern die Ration mit Gin schmackhaft gemacht habe. Belegt ist das nicht. Genauso plausibel ist das Werkzeug: ein Gimlet ist ein Handbohrer, mit dem Fässer angestochen wurden.

Gesichert ist der Rest: Gin und haltbar gemachte Limette standen auf denselben Schiffen, und daraus wurde ein Drink, der bis heute aus zwei Zutaten besteht.

Haltbarmachen war damals der Zweck. Heute ist frische Limette die einfachere Übung — und der Grund, das Rezept zu ändern.

02 / Die Entscheidung

Cordial oder frischer Saft.

Cordial bringt Säure und Zucker gekoppelt mit. Wer mehr Limette will, bekommt automatisch mehr Zucker; wer weniger süsst, verliert Säure. Zwei Regler, ein Knopf.

Frischer Saft und Sirup trennen beides. Damit lässt sich die Süsse einstellen, ohne am Limettenanteil zu drehen. Bei uns stehen 4 cl Saft gegen 1 cl Sirup 1:1, also rund 5 Gramm Zucker im ganzen Glas. Ein klassischer Gimlet mit Cordial im Verhältnis zwei zu eins liegt beim Doppelten.

Der zweite Unterschied ist das Aroma. Gekochter und gesüsster Limettensaft schmeckt nach Limettenschale und Karamell, frisch gepresster nach Limette. Beides ist legitim. Nur ist das eine ein Konservierungsprodukt aus dem 19. Jahrhundert und das andere eine Frucht.

VarianteSäureZucker
Cordial, 2:1gekoppeltrund 10 g
Frisch, 6:4:1frei einstellbarrund 5 g
03 / Welcher Gin

Drei Flaschen, drei Gimlets.

Ein Drink aus zwei Zutaten zeigt den Gin ungeschminkt. Unsere drei Empfehlungen, in der Reihenfolge, in der wir sie selber trinken.

Fisherman’s Gin, 50 cl, 41 Vol.-%, Flasche mit Koi-Etikette

Fisherman’s Gin

Yuzu, Matcha, Nori und Fleur de Sel. Das Salz steht nicht zur Dekoration in der Flasche. Es dämpft die Wahrnehmung von Bitterkeit und hebt die Säure, weshalb der Drink mit 1 cl Sirup auskommt. Yuzu und Limette verstärken sich, die Nori-Note bleibt am Schluss stehen. Unsere Fassung.

CHF 54 — zur Flasche
Gentleman’s Gin, 50 cl, 41 Vol.-%, Flasche mit rotem Wachssiegel

Gentleman’s Gin

London Dry nach einer Rezeptur aus den 1920er-Jahren. Wacholder vorn, darunter Angelikawurzel und Zitronenschale. Ergibt den Gimlet, den man erwartet, und nichts daneben. Wer zum ersten Mal einen mischt, nimmt diesen.

CHF 54 — zur Flasche
Gin de Bâle, Basel Dry Gin, 50 cl, 40 Vol.-%

Gin de Bâle

Fichtennadel, Wacholder, Zitronenschale. Weicher im Körper als die beiden anderen, dadurch ein runderer Gimlet. Das Harzige kommt im Abgang zurück, wenn die Säure weg ist.

CHF 40 — zur Flasche
04 / Technik

Vier Dinge, die den Unterschied machen.

Geschüttelt, nicht gerührt

Hier gilt die Regel ohne Ausnahme: Was Saft enthält, wird geschüttelt. Der Saft braucht die harte Kühlung und die Luft, die beim Schütteln hineinkommt. Gerührt bleibt der Drink flach und schmeckt nur sauer.

Zwölf Sekunden, dann Schluss

Länger schütteln heisst mehr Schmelzwasser, nicht mehr Kälte. Bei zwölf Sekunden sind rund 25 Prozent Wasser drin — aus 11 Zentilitern Ansatz werden 13.8 im Glas, und aus 41 Volumenprozent werden 17.8.

Doppelt abseihen

Durch Barsieb und Feinsieb. Sonst landen Eissplitter im Glas, die den Drink weiter verdünnen, während er dasteht. Ein Gimlet ohne Eis im Glas bleibt bis zum letzten Schluck gleich stark.

Das Glas gehört vorgekühlt

Zehn Minuten im Tiefkühler. Ein warmes Glas nimmt dem Drink in dreissig Sekunden die Temperatur, die das Schütteln gerade hineingebracht hat.

05 / Verwandt

Zwei Abzweigungen.

Southside

Derselbe Aufbau, dazu Minze im Shaker. Die Minze wird nicht zerstossen, sondern mitgeschüttelt und mit abgeseiht — gestossen wird sie bitter.

Vodka Gimlet

Gin raus, Vodka rein. Ohne Wacholder bleibt nur Limette und Zucker, weshalb der Drink mehr vom Zucker braucht. Mit dem Davos Vodka funktioniert er, ist aber ein anderer Drink.

06 / Workshop

Welcher Gin hält zwei Zutaten aus.

Im Workshop blendest du aus über zwanzig Einzeldestillaten deinen eigenen Gin. Danach weisst du, warum Zitrusschale neben Limette verschwindet und Wacholder nicht.

  • Drei Stunden, jeden Donnerstag ab 17:30
  • CHF 180 pro Person
  • 0,5 l eigener Gin, das Rezept gehört dir
  • Brennerei Aktienmühle, Gärtnerstrasse 46, Basel

Mehr zum Negroni, zu unseren zehn Serves oder zu allen Gins.