Zehn Drinks aus der Aktienmühle
Zehn Drinks, die nur aus diesen Flaschen entstehen können. Von Yuzu, Nori und Fichte bis zu Kirsch, Kaffee und Wermut. Wir entwickeln jeden Drink aus dem Destillat heraus — nicht aus einem Standardrezept, in das irgendein Gin gegossen wird. Einfach genug für zu Hause, präzise genug für unsere Bar.
Das Rezept richtet sich nach der Flasche, nicht umgekehrtDie Reihe
Übersicht
| Kennung | Drink | Flasche | Geschmack | Glas | Ansatz | Vol.-% | Aufwand |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| GL-S01 | Nori Sour | Fisherman’s Gin | Yuzu · salzig · seidig | Coupette | 12.2 cl | 15.2 % | Experiment |
| GL-S02 | Moos & Zitrone | Gentleman’s Gin | trocken · wurzelig · gewürzt | Nick & Nora | 9 cl | 31 % | Lab |
| GL-S03 | Waldkante | Lumberjack’s Gin | Fichte · Ahorn · perlend | Highball | 17.5 cl | 11.7 % | Experiment |
| GL-S04 | Holzfeuer | Lumberjack’s Gin | Ahorn · Orange · Bitter | Double Rocks | 7.3 cl | 33.6 % | Sofort |
| GL-S05 | Letzter Tropfen | Flaneur Gin | Zitrus · trocken · perlend | Coupette | 13.6 cl | 14.7 % | Experiment |
| GL-S06 | Morgenwerk | Licor de Café | Kaffee · Kirsche · trocken | Coupette | 11.9 cl | 17.9 % | Sofort |
| GL-S07 | Pandan & Salz | Nakal Gin | Pandan · Röstreis · Limette | Coupette | 12.5 cl | 16.6 % | Experiment |
| GL-S08 | Kirschkern | Gentleman’s Gin | Kirsche · Bittermandel · Wermut | Nick & Nora | 10.4 cl | 24.3 % | Experiment |
| GL-S09 | Atelier Highball | Gin de Bâle | Wacholder · Fichte · Zitronenöl | Highball | 17 cl | 11.8 % | Sofort |
| GL-S10 | Grüne Stunde | Absinthe de Bâle | Anis · Grapefruit · herb | Highball | 17.5 cl | 6.3 % | Sofort |
Der Balken auf jeder Karte zeigt den Ansatz auf derselben Skala bis 20 cl. Die Trinkstärke ist aus den Mengen gerechnet und enthält die Verdünnung beim Rühren oder Schütteln. Bei den Highballs schmilzt danach weiteres Eis im Glas — sie beginnen bei der angegebenen Stärke und werden beim Trinken leichter.
Warum unsere Rezepte abweichen
Klassische Cocktailrezepte sind für eine unbekannte Basis geschrieben. Sie setzen voraus, dass niemand weiss, wie süss, wie stark und wie aromatisch die Flasche im Regal ist — also gleichen sie mit Zucker, Likör und Sirup aus. Diese Zutaten sind oft Korrektur, nicht Absicht.
Wir stellen die Basis selbst her und kennen ihre Werte. Damit fällt der Grund für einen Teil dieser Zutaten weg. An ihre Stelle tritt eine Entscheidung, die wir begründen können — und die auf jeder Karte nachzulesen ist. Drei Fälle, an denen man den Unterschied ablesen kann:
Holzfeuer · GL-S04
- Standard
- Spirituose, Zuckersirup, Bitter. Der Sirup gleicht aus, was eine trockene Basis nicht mitbringt — er ist Korrektur, keine Zutat.
- Unsere Flasche
- Zucker geht nicht durch die Brennblase. Was gesüsst wird, wird nach dem Brand gesüsst — genau das macht einen Old Tom aus. Beim Lumberjack’s übernimmt das kanadischer Ahornsirup, neben Fichtennadel, auf 41 % vol.
- Die Änderung
- Kein Sirup im Glas, und auch kein zusätzliches Wasser. Verdünnt wird genau einmal, beim Rühren. Wer hier süsst, süsst zum zweiten Mal.
Kirschkern · GL-S08
- Standard
- Gin, süsser Wermut, Maraschino, Bitter. Maraschino ist ein Destillat aus Marasca-Kirschen, das nach dem Brand gesüsst wird — Aroma und Süsse kommen gekoppelt aus derselben Flasche.
- Unsere Flasche
- Wir brennen Kirsch de Bâle selbst, aus Dollenseppler Kirschen, ohne Zusatz. Das Kirscharoma liegt damit unabhängig von der Süsse vor.
- Die Änderung
- 0.5 cl Kirsch und 0.5 cl Sirup, getrennt dosiert. Die Süsse wird zur eigenen Stellschraube, statt am Kirschanteil zu hängen — mehr Kirsche heisst hier nicht automatisch süsser.
Letzter Tropfen · GL-S05
- Standard
- Gin, Zitrone, Zuckersirup, Schaumwein. Der Sirup steht fest im Rezept, obwohl der Schaumwein selbst Zucker mitbringt — wie viel, weiss beim Nachmixen niemand.
- Unsere Flasche
- Dosage heisst der Zucker, der einem Schaumwein nach dem Degorgieren zugesetzt wird, gemessen in Gramm pro Liter. Beim Hedonistic Breakfast Club von Ale & Bread sind es 8 g/l, eine dezente Brut-Dosage. Deutscher Sekt aus Baden, Nobling und Chardonnay, 21 Monate Hefelager.
- Die Änderung
- Wir rechnen mit der Zahl statt mit einer Annahme. 8 cl Sekt bringen 0.64 g Zucker mit, der Sirup 6.8 g — der Sekt trägt rund ein Zehntel der Süsse, nicht die Hälfte. Deshalb bleibt der Sirup bei 0.8 cl.
Wissensmodul · Absinthe Rituel
Das Ritual ist kein Cocktail und steht deshalb ausserhalb der zehn. Es ist die Art, einen Absinth pur zu trinken: Eiswasser läuft tropfenweise über einen Löffel in das Glas, bis der Absinth eintrübt.
Diese Trübung heisst Louche. Anethol, der Träger der Anisnote, löst sich in Alkohol, aber nicht in Wasser. Sinkt der Alkoholgehalt beim Verdünnen, fällt es aus und macht das Glas milchig. Das ist der Moment, an dem sich der Duft öffnet.
Das übliche Verhältnis liegt zwischen 1:3 und 1:5. Wir servieren 1:5 — der Absinthe de Bâle steht bei 55 % und trägt genug Kräuter, um bei dieser Verdünnung deutlich zu bleiben. Zucker nur, wenn gewünscht: nötig ist er hier nicht.
Absinthe Rituel
- Absinth
- Absinthe de Bâle, 55 % vol · 3 cl
- Eiswasser
- 15 cl, tropfenweise über den Löffel
- Im Glas
- 18 cl · 9.2 % vol
- Glas
- Rocks, ohne Eis
- Zucker
- optional, ein Würfel über dem Löffel
Weiter
Die Flaschen
Jeder Drink steht auf einer Flasche aus unserer Brennerei. Wer eine davon zu Hause hat, kann die Reihe abarbeiten.
Der eigene Gin
Im Gin Workshop in der Aktienmühle entwickelst du deine eigene Rezeptur und nimmst 0.5 Liter mit. Danach funktioniert der Atelier Highball genauso — das Verfahren hängt an Temperatur und Eis, nicht an der Rezeptur.